Das Meer

Angekommen in Arisaig, nachdem ich eine einstündige Zugfahrt genossen hatte, die mich über die Brücke führte, die in den Harry Potter Filmen immer auftaucht wenn die Zauber-Schüler in die Schule fahren, vorbei an Landschaften die an Highlander Filme erinnern, also eigentlich durch das komplette schottische Filmstudio hindurch, ging ich erstmal in einen Kiosk um einen Cappucino zu trinken, mit dem ich dann die Aussicht auf die kleine Meerbucht bei Arisaig genoss.

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Der kleine Pfad entlang der Küste, den ich gerne gehen wollte, entpuppte sich als eine Wanderung durch Schlamm und Wildnis. Jedoch wußte ich bereits aufgrund der Angaben einer Verkäuferin, die ich im einzigen Einkaufsladen in Arisaig gesprochen hatte, dass mich nicht gerade die Touri-Meile erwartete. Nach zwei Stunden war ich am Ziel: Ein Campingplatz direkt am Meer! – Ich verbrachte den restlichen Tag damit mich von der Wanderung und dem kurzen Schlaf der letzten Nacht zu erholen.

Den nächsten Tag hatte ich mir vorgenommen noch ein Stück am Meer hinauf zu wandern und anschließend so gegen 16:00 Uhr zu einer Bahnstation zu gehen und die Rückreise nach Stirling anzutreten. Da ich nur eine Ahnung hatte welche Schönheit sich hinter dieser Strecke Wegs verbirgt, war ich sehr gespannt und voller Erwartungen. Doch der Anblick der Landschaft überwältigte mich, ich lief wie in einem Traum von Strand zu Strand über Klippen, direkt links von mir die sanft einsetzende Brandung, rechts die Ausläufer der Highlands und zwischen drin der weiße Strand…

SchottlandWenn nicht meine Abreise nach Deutschland in zwei Tagen angestanden hätte, wäre ich dort noch lange geblieben. In der kurzen Zeit habe ich mehr Glück gefühlt, als ich hier in Worten sagen kann, deshalb noch ein paar Bilder:

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Keiner weiß warum die Natur so schön und so kitschig sein darf, auch wir Menschen sind ja Natur und auch wir sind Kitschig und Kitsch ist natürlich eine Erfindung des Menschen aber ohne es kitschig zu meinen und ohne die Natur zwingen zu wollen kitschig zu sein, habe ich die aufgesammelten Muscheln zu diesem Wort zusammengelegt und es war genau richtig so.

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Ich habe jedenfalls entschieden bald wieder zu kommen. Für’s erste war’s das von meiner Reise nach Schottland, mal sehen, vielleicht fällt mir noch was ein…

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Ich liebe Schottland!

Und ich komme bald wieder!

Anfahrt und Einstieg

Der Westhighlandway ist einer von einer Handvoll Wanderwegen in Schottland und den Higlands. Er ist von diesen aber ein besonders abwechslungsreicher und mit 95 Meilen auch recht langer Wanderweg. Von Milngavie [mil`gahie] direkt bei Glasgow geht er durch Flachland, dann entlang des ewig langen Loch Lomond, vorbei an Räuberhölen und Burgen, bis die Highlands auftauchen. Die bewaldeten Strecken hören ab Bridge of Orchy oder schon etwas früher ab Tyndrum auf und es beginnt der Teil des Weges durch das Hochmoor Rannoch und zwischen den höchsten Highlands, den Munros hindurch. Zum Abschluss erreicht man den höchsten Berg in Großbritannien: Ben Nevis mit über 1300 Metern.
Meine Anfahrt ging am Morgen in Stirling los, mit Zwischenstopp in Glasgow und dann mit der Bahn in die West Highlands. Ich hatte mir ein schönes Buch über den Weg gekauft, der Autor (Anthony Burton) beschreibt darin jede Landschaftliche Etappe und gibt einen kurzen Überblick über die Geschichten und Besonderheiten. Mir wurde dadurch  die Wahl des Einstieges erleichtert, weil ich mir einen kurzen Überblick verschaffen konnte welche Strecke mein gegenwärtiges Bedürfniss befriedigen würde: Ich wollte Einsamkeit und Weitsicht; deshalb stieg ich in Bridge of Orchy aus und befand mich unmittelbar auf dem West Highland Way.

Ein Blick in Richtung Moor Rannoch
Ein Blick in Richtung Moor Rannoch

Meine erste Etappe war ein Marsch durch das Moor ich fühlte die Einsamkeit der Moortümpel mit ihren Graskappen und versuchte mich einzulassen auf diese Stimmung. Die Überlegung im Moor zu übernachten verwarf ich und marschierte deshalb noch weiter um noch einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Es wurde immer später und die Bilder wurden immer schöner…

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Leider hatte ich relativ neue Schuhe don Siggi an, die er erst einmal mit seinen Plattfüssen eingelaufen hatte :-) Deshalb hatte ich bereits nach dem halben ersten Marsch solche Blasen, dass ich kaum mehr laufen konnte. Mit einbrechender Dunkelheit gelangte ich an meinen ersten Schlafplatz auf einer Wiese hinter einem Hotel mitten in der Einsamkeit. Vor dem Schlafengehen oder besser gesagt direkt nach der Ankunft zischte ich erstmal ein Bier um die Blasen und den Marsch aus den Knochen zu vergessen und am nächsten Morgen mit einer wunderbaren Aussicht zu erwachen:

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Der Marsch ging früh los, 5:30 und endete schon mittags um 12 weil ich in Kinslochleven angekommen bin und dort chillig auf einem kleinen Zeltplatz vor einem Hostel halt gemacht habe. Dieser halbe Tag Pause war sehr angenehm, ich machte Bekanntschaft mit Peter [pitea] aus Manchester, wir gingen ins Pub Bier trinken und Fußball schauen.

Am nächsten Morgen ging es weiter und da viele vor der letzten Etappe nochmal richtig durchgeschnauft hatten, waren morgens beim Einstieg viele Leute auf der Strecke, ich traf zwei Frauen, die ich abends schon im Pub gesehen hatte und wir unterhielten uns kurz, dann noch einen Schotten mit Rock und auch sonst noch viele nette Leute. Im Gegensatz zu den meisten Einheimischen, die ihr Gepäck von einem Transport-Service bis zur nächsten Station bringen ließen, hatte ich mein gesamtes Gepäck (Klamotten, Schlafsack, Isomatte, Kocher, Geschirr, Essen, Zelt, ect.) dabei und war irgendwann auch fast der Letzte auf dem Marsch.

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Als ich dann in Fort William ankam, begab mich auf eine abenteuerliche Schlafplatzsuche, nach viel zu langem hin und her laufen blieb mir nichts anderes übrig, als mitten in der Stadt im ehemaligen Fort (daher auch der Name)  zu zelten, was außer ein paar Betrunkenen in der Nacht auch eine gute Wahl war, weil ich am nächsten Morgen, mit der Aussicht ans Meer zu kommen, früh durchstarten konnte…

Versprechen

Es wurde langsam auch Zeit, irgendwann muss das Warten auch ein Ende haben, sonst werden selbst die zutiefst aufrichtig gemeinten Versprechen zu inhaltslosen Lippenbekenntnissen (Siggi weiss wovon ich rede).

 

Schotten Staedte und Fussball

Schottland ist ja eins dieser Laender, um welches sich viele volkstuemliche Maerchen und Geschichten drehen und deshalb findet man auch heute immer noch Menschen, die in Schottland dieses Sagenumwobene Land voll mit Rittern, Elfen und Seeungeheuern sehen. Ist eigentlich sehr witzig, weil man natuerlich erstmal gar nichts davon mitbekommt, wenn man in Edinburgh oder Glasgow mit dem Flieger ankommt. Vielleicht in Edinburgh noch eher, da man diese Stadt zumindest im Zentrum wie ein Museum hergerichtet hat. Deshalb wimmelt es dort aber auch von Touristen das es kracht! Mir persoenlich gefaellt Glasgow besser. Da gibt es nicht so viele auffaelige Klischees  (Touristenshops, Sightseeing), es gibt Fussball (ja genau!) und es gibt genauso viele junge Leute wie in anderen europaeischen Grossstaedten, was mir in Edinburgh nicht aufgefallen ist. Natuerlich ist man in Glasgow nicht in einer Hippie-Stadt, da gibt es ganz klare soziale Fakten: http://www.independent.co.uk/news/uk/crime/glasgow-is-britains-murder-capital-as-knife-crime-spirals-737329.html Aber wie ist das, wenn man in Freiburg nach HaWei geht ist man selber schuld, was nicht heisst, dass man nicht auch in der Innenstadt oder am Waldsee eine aufs Maul kriegen kann (@ all people who was with me :-) and thank you for supporting me!). Deshalb empfehle ich im Zweifelsfall immer wegzurennen wenn es moeglich ist!

 PICT0451Glasgow Queenstreet

Genug von den Schlimmen Geschichten ueber dieses wundervolle Land: Glasgow ist eine schoene Stadt, ich habe sie nur kurz gesehen aber was ich gesehen habe war beautyfull und nice. (Obwohl ich auch an einer Bunkersiedlung vorbeigefahren bin die nicht nice aussah, 50% der Wohnungen sahen demoliert und ausgebrant aus, wie bei den Vandalen!). Trotzdem glaube ich es ist nicht richtig, wenn man den armen Schotten vorwirft sie seien gewalttaetig, es gibt in Glasgow eben Hooligans und gerade bei Fussball sind die ausser Rand und Band. Wenn Celtic gegen die Rangers spielt, spielen nationalistische und religioese Gefuehle neben Fussball-Enthusiasmus eine grosse Rolle und man sollte sich keinen dummen Spruch erlauben, wenn man nicht weiss, ob man mit seinem Gegenueber auf einer Wellenlaenge ist… In meinem Fall zeigte sich relativ bald, dass ich fuer Celtic sein muss (die Leute um mich rum waren da meine Vorlage) und wenn ich mich nicht irre sind Celtic`s katholisch aber das ist ja auch used to me, da ich ja aus Bayern bin, da kennt man seine Pappenheiner.

Eigentlich ging meine ganze Reise ja so los: Sick note vom Arzt und dann spontan einen Flug gebucht und ab nach… so und da man spontan haeufig richtig entscheidet, bin ich natuerlich zur best Wetter Zeit nach Schottland und das heisst, ich hatte gutes Wetter. Es schien die Sonne und zwar ganze Tage lang ohne Regen zwischendurch. Natuerlich nicht die ganze Zeit aber an mindestens 5 zusammenhaengenden Tagen. Das ist estwas besonderes und am waerscheinlichsten im Mai. Leider muss ich schon zurueck, was bedeutet, dass ein gewisser Alltag wieder einkehrt und ich erst im Sommer wieder losreisen werde aber bis dahin erzaehle ich noch ein Bisschen…